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Bayerischer „Dorian Gray“: Jetzt ist nur noch Söder übrig

17. Dezember 2025 by Stephan-Götz Richter

Erschienen in t-Online (URL)

So betörend Markus Söders Hang zum unkonventionellen Handeln und zur Hyperpersonalisierung gewesen sein mag, der Effekt hat sich abgenutzt. Der bayerische Dorian Gray ist in die Jahre gekommen. Söder hat die CSU „verlindnert.“

In der Spitzenpolitik gehört ein sehr großes Selbstbewusstsein zum Grundarsenal dessen, was man aufweisen muss, um in diesem Umfeld zu reüssieren. Im letzten Jahrzehnt gab es in Deutschland drei Politiker, deren endloser Glaube an sich alle anderen überragte: Robert Habeck, Christian Lindner und Markus Söder.

Nachdem nun auch Robert Habecks aktueller Versuch, sich durch einen Kinofilm „Jetzt. Wohin.“ wieder ins Spiel zu bringen, gefloppt ist, ist von der Dreierbande nur der Markus Söder übriggeblieben.

Der hochaufgeschlossene, mittlerweile bebartete Bajuwar freut sich gewiss diebisch, dass die beiden anderen von der großen Bühne verschwunden sind. Denn Söder betreibt sein politisches Geschäft seit jeher nach der Methode des triebhaften Stichelns gegen jeden anderen realen oder vermeintlichen Häuptling, den es auszuräumen gilt.

Wie es sich für einen Dorian Gray gehört, wirkt Söder geradezu selbstsüchtig, wie er durch Instagram-Posts fleißig untermalt. Zugleich ist er wankelmütig und in der Sache immer hin und her schwankend. Er ist immer darauf bedacht, in den Schlagzeilen zu sein. Auch wenn er jenseits des Faschings wohl nicht mit orange-blondem Haar anzutreffen ist, kommt er auf deutsche Verhältnisse übertragen in puncto Sprunghaftigkeit Donald Trump immer näher.

Söder, der Tragische?

Dessen ungeachtet ist und bleibt Söder ein Bierzelt-Entertainer. Insbesondere kümmert er sich wenig um die Konsistenz seiner Positionen, was bei seinem Umgang mit dem Klimawandel besonders ins Auge sticht. Noch vor wenigen Jahren gab Söder sich als glühender Verfechter des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit, um später die Grünen zum politischen Hauptgegner zu erklären. Zumindest in seiner eigenen Landeshauptstadt entspricht das nicht dem Zeitgeist.

Söders großes berufliches Glück ist, dass sein Bundesland – gerade auch aufgrund der wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Anziehungskraft Münchens – die deutsche Erfolgsstory ist. Das gibt ihm trotz all dem stetig aus ihm heraussprudelnden rhetorischen Treiben sowohl eine narrative als auch faktische Basis der Solidität.

Immerhin bietet er für die politische und kulturelle Bildgeschichte unserer Republik alljährlich wiederkehrend etwas wirklich Exquisites. Sein “Selbstvisualisierungen” zu Karnevalszeiten sind wirklich beeindruckend, sie haben etwas kunstvoll-dramatisch-oft diabolisches. Sie sind Mephisto-haft.

Und dennoch ist Markus Söder zunehmend eine erkennbar tragische Gestalt der deutschen Politik. Innerhalb seiner eigenen Partei wird ihm vorgeworfen, dass er die CSU „verlindnert,“ also vom politischen Profil her viel zu sehr auf seine Person abstellt. Und so betörend seine Nonchalance und sein Hang zum unkonventionellen Handeln auch geraume Zeit gewesen sein mag, der Effekt hat sich abgenutzt. Der bayrische Dorian Gray ist in die Jahre gekommen.

Bellevue ist keine Option

Auch wenn Söder nicht so enden wird wie Dorian Gray, der sein sehr ins Altern gekommenes Porträtgemälde in großer Verzweiflung mit einem Messer zerschneidet, wird ihm der Weg zu „Höherem“ versperrt bleiben, so sehr er sich selbstverständlich dazu berufen fühlt.

Das gilt auch für den Posten des Bundespräsidenten, an dem er ohnehin wenig Interesse haben dürfte, zumal er jenseits der Tagespolitik kein begabter Redner ist. Es gilt als ausgemacht, dass die Union auf eine Kandidatin aus den eigenen Reihen setzen wird. Vor allem aber würde Söder die stark administrativ-repräsentative Funktion des Amtes arg langweilen.

Kategorie: In Print/Online Stichworte: Deutschland, Markus Söder, t-Online

Stephan-Götz Richter

Stephan-Götz Richter ist Herausgeber und Chefredakteur von „The Globalist“, einem Online-Magazin für globale Ökonomie, Politik und Kultur.

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